Seine Heiligkeit, der 17. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje

Als spirituelles Oberhaupt der 900jährigen Karma Kagyü Linie des Tibetischen Buddhismus ist Seine Heiligkeit, der 17. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, zu einem der wichtigsten geistigen Führer unserer Zeit geworden. Seit seiner spektakulären Flucht von Tibet nach Indien im Jahre 2000, spielt der 17. Karmapa eine Schlüsselrolle in den Bemühungen zur Erhaltung tibetischer Religion und Kultur. Er wurde als “geistiger Führer des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet und hat Millionen von Menschen ermutigt, Verantwortung für soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz zu übernehmen. Die Botschaft des Karmapas findet grosses Echo insbesondere bei der jüngeren Generation. Er ermutigt sie, Visionen zu entwickeln für eine bessere und mitfühlendere Welt.

Karmapa bedeutet „Derjenige der die Aktivitäten des Buddha ausführt“. Die Karmapa Linie ist bekannt dafür, dass sie buddhistische Prinzipien in die Tat umsetzt. Die Koryug Organisation, deren Gründer er ist, hat über 55 Klöster in der Region des Himalayas zu Zentren für lokale Umweltaktivitäten gemacht. Führend darin, sich für die Belange der Frauen einzusetzen, machte der 17.Karmapa im Januar 2015 die historisch bedeutsame Ankündigung, dass er die volle Ordination für die Frauen einführen wird – ein sehnlich erwarteter Schritt im tibetischen Buddhismus.

Sich an die Jugend wenden

In seinem Buch „Das Herz ist edel: Die Welt von innen verändern“ spricht der Karmapa zur jüngeren Generation über die grossen Herausforderungen unserer Zeit, wie z.B. Gender-Fragen, Ernährungsgerechtigkeit, Konsumismus und Umweltzerstörung. Im Moment arbeitet er an einem weiteren Buch, das auf einen weiteren Austausch mit amerikanischen Studenten und Studentinnen basiert. Darin wird erörtert, wie wir lernen können, in einem Zeitalter technologischer Verknüpfung und emotionaler Trennung nach dem Prinzip des abhängigen Entstehens zu leben.

In den letzten Jahren hat der zunehmend Möglichkeiten ausfindig gemacht für anhaltenden Austausch mit Studentinnen und Studenten an Universitäten. Er engagierte sich in Studentengruppen an mehreren indischen Universitäten, und in tibetischen Studentengruppen und veranstaltete eine Reihe von Treffen mit Studierenden aus Europa und Nordamerika.

Als einer der grössten Hoffnungsträger unserer Zeit macht der 17. Karmapa regen Gebrauch von neuen Technologien um den Dharma zu lehren und weltweit zu verbreiten. Als er 2009 eine Rede an den TED Talks (Technology, Entertainment, Design, eine alljährliche Innovationskonferenz) in Bangalore hielt, war er dort der jüngste Redner.

Belehrungen werden oft live als Webcast gesendet mit Übersetzungen in ein Dutzend Sprachen.

Musiker, Künstler und Poet

Seine Heiligkeit, der 17. Karmapa, ist in einem weiten Feld künstlerischer Aktivitäten engagiert. Er malt, macht Kalligraphien, schreibt Gedichte, spielt und komponiert Musik. Als Hüter und Erneuerer tibetischer Kunst, schrieb und produzierte er mehrere Theaterstücke, die Elemente aus der tibetischen Oper mit modernem Theater kombinieren. Sein erstes Theaterstück, ein Drama über das Leben des grossen tibetischen Yogi Milarepa, wurde von 20‘000 Menschen in einer Live-Vorstellung in Indien besucht. Eine Veröffentlichung in englischer Übersetzung, wird es aus Anlass seines Besuches in den Vereinigten Staaten geben.

Der junge Karmapa

Der 17. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, wurde 1985 als Kind tibetischer Nomaden im entlegenen osttibetischen Hochland geboren und verbrachte seine ersten Lebensjahre in einer unberührten Umgebung, ohne moderne Annehmlichkeiten, ohne Elektrizität und Kraftfahrzeuge.

Als er im Alter von 7 Jahren als Reinkarnation des 16. Karmapa anerkannt wurde, musste er das nomadische Leben hinter sich lassen. Er wurde offiziell inthronisiert als der 17. Karmapa von zwei der drei noch lebenden Oberhäuptern seiner Linie, die dabei amtierten. Nach seiner Inthronisation war sein Sitz das Tsurphu Kloster in Zentral Tibet. Mit acht Jahren hielt er seinen ersten öffentlichen religiösen Vortrag vor einem Publikum von 20‘000 Menschen.

Flucht für religiöse Freiheit nach Indien

In den kommenden Jahren stiess der Karmapa auf zahlreiche Hindernisse in der Ausübung seiner spirituellen Praxis. Aus Sorge darüber, dass es ihm nicht möglich sein würde, seinen religiösen Verpflichtungen in Tibet nachzukommen, entschloss er sich im Alter von 14 Jahren nach Indien zu fliehen, die Freiheit suchend, seinen religiösen Verpflichtungen nachkommen zu können. Er lebt in Dharamsala in Nordindien, in der Nähe der Residenz Seiner Heiligkeit, des 14. Dalai Lama. Mit diesem verbindet ihn bis heute eine enge Beziehung von Mentor zu Schützling.

In seiner Residenz in Nordindien empfängt der Karmapa Tausende von Besuchern und Besucherinnen und berät sich mit Menschen aus aller Welt über praktikablen Lösungen für die Probleme unseres Planeten. Im Jahre 2004 übernahm Seine Heiligkeit die Verantwortlichkeit für den Kagyü Mönlam, eine jährlich stattfindende Versammlung in Bodhgaya, um Wunschgebete für den Weltfrieden zu rezitieren. Bodhgaya ist der Ort, an dem der Buddha erleuchtet wurde. Unter seiner Leitung ist die jährliche Veranstaltung auf über 12‘000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angewachsen und wird mittels Webcast online von zehntausenden Schülerinnen und Schülern gesehen und simultan in über ein Dutzend Sprachen übersetzt.

Umwelt- und soziales Engagement

Im Jahre 2009 gründete der Karmapa die Organisation Khoryug (tibetisch für Umwelt), die mittlerweile 55 buddhistische Mönchs- und Nonnenklöster in der gesamten Himalaya-Region umfasst. Durch seine Bemühungen wurden Tausende von Mönchen und Nonnen unterrichtet und angehalten, ihre lokalen Gemeinschaften auf ökologische Probleme aufmerksam zu machen und Projekte umzusetzen, welche ihren eigenen Wohnort zu Öko-Klöstern umwandelten .

2015 schrieb der 17. Karmapa Geschichte: Er kündigte an, dass er die Bhikshuni-Ordination für Nonnen (Bikhshuni bedeutet voll ordinierte buddhistische Nonne) in dem Tibetischen Buddhismus in die Wege leiten wolle. Bereits im Jahre 2014 führte der Karmapa die Institution der jährlichen Arya Kshema Winter-Dharma-Zusammenkunft für Nonnen der Karma Kagyu Linie ein, und erweiterte damit den Zugang zu gründlicher Ausbildung für Nonnen und leitete die Stärkung der Eigeninitiative in den Nonnenklöstern in die Wege.

In seiner eignen Schule des tibetischen Buddhismus hat er religiöse Praktiken modernisiert, bleibt jedoch fest verwurzelt in der Tradition wenn er die klösterliche Disziplin in seiner Linie neu belebt.

Während seines Besuches in den Vereinigten Staaten in 2015 hielt Seine Heiligkeit, der 17. Karmapa, Vorträge zu Themen wie Gender-Gerechtigkeit und Umweltschutz in Stanford, Harvard und anderen Universitätsstädten und auch etwas Zeit für Besuche in Nationalpärken. In den Hauptsitzen von Großunternehmen wie Google oder Facebook engagierte er sich in Dialogen, um Wege zu einer freundlicheren Internet-Kultur voranzutreiben. 2014 machte der Karmapa seine erste, lang erwartete Reise nach Europa. Er hielt bedeutende Unterweisungen an seinem europäischen Hauptsitz und vor einer riesigen Menschenmenge in Berlin. Er wohnte einer Vesper in einer Benediktiner-Abtei bei und nahm teil an einer privaten Führung durch den Kölner Dom. Er traf sich mit dem Oberrabbiner Berlins und stattete dem Holocaust-Mahnmal einen Besuch ab. Sein neuestes Buch „Die Pflege des Mitgefühls“ basiert auf den Unterweisungen seines Europa-Besuchs und kann im Internet kostenlos heruntergeladen werden.

Angeglichen an die offizielle Biographie des 17. Karmapa